Fundus - Literatur

Literaturhinweise zum Thema Begabungsförderung


Journal für begabtenförderung 1/2011

Das Thema «MINT-Talentförderung» bildet den ausschliesslichen Schwerpunkt der Nummer. Angesprochen sind also die Bereiche Mathematik, Informatik Naturwissenschaften und Technik (MINT). Leider wird das Thema mit einer gewissen Verengung zum einen auf Hochbegabten-förderung und zum andern auf Deutschland angegangen. Das Heft ist daher nicht nur von beschränktem Interesse für die Begabungsförderung in der Schweiz, es bietet auch keine befriedigenden Ausblicke auf die im Einführungsartikel von Heller, Mönks und Ziegler angesprochenen Hauptprobleme: Effektivität der Hochbegabtenförderung im MINT-Bereich und Mädchen- und Frauenförderung in MINT.
Der bereits bestehende und sich zukünftig verschärfende Mangel an hochqualifizierten Fachleuten auf diesen Gebieten ist unbestritten und gilt auch für die Schweiz. Ob allerdings die spezielle Förderung einiger weniger Hochbegabter, wie sie im Heft an einigen Beispielen beschrieben wird, Abhilfe schaffen kann, muss angezweifelt werden. Gerade diese Beiträge machen übrigens auf die Probleme des Regelunterrichts aufmerksam, die allerdings mittels Separation Hochbegabter nicht gelöst werden...
Um mehr junge Menschen für die Lern-, Studien- und Arbeitsgebiete im MINT-Bereich zu begeistern, braucht es insbesondere im ganz normalen Unterricht wesentliche Veränderungen, insbesondere was motivationale und emotionale Aspekte anbelangt. Dazu gibt es weltweit zahlreiche interessante Projekte und Erkenntnisse, auch im deutschsprachigen Raum.
In engem Zusammenhang mit der notwendigen Unterrichtsverbesserung im Regelschulbereich und damit einer eigentlichen Begabungsförderung steht auch die Geschlechterthematik. Leider werden im Heft weder die dazu vorliegenden Forschungsergebnisse rezipiert, noch finden sich Hinweise auf die zahllosen Initiativen zur Mädchen- und Frauenförderung im MINT-Bereich, international und im deutschsprachigen Raum. Einzig in einem Artikel (Wörner) wird der Girl’s Day in einem Nebensatz erwähnt. Interessanterweise schildert die einzige weibliche Autorin dieser Nummer, eine junge, in einem Spezialprogramm über viele Jahre hinweg geförderte Physikstudentin (Viermann), in ihrem Erfahrungsbericht sehr reflektiert die Zweifel und Fragen, die wahrscheinlich viele ihrer Geschlechtsgenossinnen von der Teilnahme an Förderangeboten abhalten, und die bei der Gestaltung von Angeboten berücksichtigt werden müssten.
Insgesamt muss das Heft als wenig zielführender Beitrag zu einem hochaktuellen Thema qualifiziert werden, der zudem kaum aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse oder anregende Praxishinweise enthält.


Alle gleich – alle unterschiedlich!

Unter diesem Titel haben Alois Buholzer und Annemarie Kummer Wyss von der PHZ Luzern in der Reihe «Lehren Lernen» (Klett und Balmer) ein Lehrbuch zum Umgang mit Heterogenität in Schule und Unterricht herausgegeben. Im ersten Teil finden sich Beiträge zu Erscheinungsweisen von Heterogenität, darunter ein Artikel von Christian Fischer zur Begabungs- und Begabtenförderung. Im zweiten Teil geht es um den produktiven Umgang mit Heterogenität im Unterricht. Die Beiträge reichen von «Lernprozesse förderorientiert diagnostizieren» (Alois Buholzer) über «Lernen verstehen und eigenständiges Lernen fördern» (Titus Guldimann) sowie «binnendifferenziert unterrichten» (Klaus Joller-Graf) bis zu «kooperativ lernen» (Silke Traub) bzw. «kooperativ unterrichten» (Annemarie Kummer Wyss). Zu allen Beiträgen sind Aufgaben formuliert, die Leserinnen und Leser zur vertieften Auseinandersetzung mit den Texten anregen sollen. Der Band wird ergänzt durch Download-Material.
Er ist erschienen beim → Klett und Balmer Verlag Zug (ISBN 978-3-264-83850-3).

Stärken entdecken – erfassen – entwickeln: Das Talentportfolio in der Schule

Hauptziel der Publikation von Urs Eisenbart, Beat Schelbert und Esther Stokar-Bischofberger ist die Einführung in die stärkenorientierte Förderung auf allen Stufen der Volksschule. Differenziert wird aufgezeigt, wie die Stärkenorientierung auf verschiedenen Ebenen des pädagogischen Handelns angelegt werden kann. Systematisch und angereichert mit zahlreichen Beispielen werden Grundlagen und Begründungen zur Stärkenorientierung geliefert. Praxisnah wird eine stärkenorientierte Unterrichtskultur und die darin wirksamen Haltungen und Interaktionsmuster beschrieben. Schliesslich wird die Arbeit mit dem Talentportfolio je separat für die Primar- und die Sekundarstufe I erläutert. Die Publikation wird ergänzt durch eine CD-ROM mit vielfältigem, direkt einsetzbarem Material. Das Werk, dessen Autorin und Autoren seit vielen Jahren mit dem Talentportfolio als Kernstück des Schulischen Enrichments arbeiten, soll Lehrpersonen ermutigen, Stärkenorientierung im Unterricht zu leben, und sie befähigen, das Instrument Talentportfolio gezielt einzusetzen.

Es ist erschienen im → schulverlag plus (ISBN 978-3-292-00629-5).


High Ability Studies 1/2010

Die englischsprachige Zeitschrift des European Council for High Ability (ECHA) wartet in ihrer Sommerausgabe mit zwei Artikeln aus dem Sportbereich auf, bei denen es um sportspezifische Kreativität im Mannschafts-Ballsport (Memmert, Baker, Bertsch) und um Fragen von Effekten des Entwicklungsalters im Zusammenhang mit der Händigkeit im Tennis geht (Loffing, Schorer, Cobley). Ein weiterer Beitrag ist der möglichen Wirksamkeit von Mentoring-Programmen gewidmet und skizziert den eher enttäuschenden Forschungsstand dazu (Grassinger, Porath, Ziegler). Beiträge zu einem in Hong-Kong entwickelten Instrument zur Erfassung der Selbstwirksamkeit bezüglich Laufbahn- und Talententwicklung (Yuen, Gysbers, Chan, Lau, Shea) und zur öffentlichen Diskussion über Begabung und begabte Kinder in Finnland (Laine) schliessen die Nummer ab.

www.tandf.co.uk/journals/HAS


«journal für begabtenförderung» 2/2010

Der Titel der zweiten Nummer 2010 heisst «Sensitivität nach Dabrowski». In der Ausgabe kommen zeitgenössische Expertinnen und Experten zu Wort, welche die Theorien und Forschungsarbeiten von Kazimierz Dabrowski (1902–1980) zum hohen Empfindungsvermögen untersuchen und anwenden. Einleitend stellt Michael M. Piechowski das Konzept des hohen Empfindungsvermögens vor, wie es der polnische Psychiater, Psychologe und Philosoph Dabrowski entwickelt hat. R. Frank Falk und Nancy B. Miller stellen neuere Untersuchungen zum hohen Empfindungsvermögen vor (HE). Sie unterscheiden psychomotorische von sensorischen HE-Formen, imaginatives von intellektuellem und von emotionalem HE. Die referierten Studien konnten nachweisen, dass begabte Kinder und Jugendliche sich von nicht-begabten durch ein höheres Empfindungsvermögen in verschiedenen Bereichen unterscheiden (allerdings wird im Artikel nicht genannt, wie «begabt» definiert wurde). Sal Mendaglio stellt den Prozess der Entwicklung in Dabrowskis Theorie dar, während Wieslawa Limont ihre Untersuchungen zum Zusammenhang von hohem Empfindungsvermögen und spezifischen Begabungen referiert. Die Beiträge von Alice Braham und Stephanie Schneider-Maessen nutzen das Konzept des hohen Empfindungsvermögens für einen erweiterten Blick auf Hochbegabung und erläutern dessen Anwendung in der Praxis.

www.studienverlag.at


«journal für begabtenförderung» 1/2010

Die erste Nummer 2010 der Zeitschrift ist dem Thema «Selbstgesteuertes Lernen» gewidmet. Christine Sontag und Heidrun Stöger referieren zahlreiche Studien zu selbstreguliertem Lernen und Hochbegabung und fassen sie zusammen. Albert Ziegler, Heidrun Stöger und Robert Grassinger stellen die Möglichkeiten der Diagnostik selbstregulierten Lernens mit dem FSL-7 vor (Fragebogen Selbstregulierten Lernens im siebenstufigen Zyklus). Christian Fischer und Christiane Fischer-Ontrup präsentieren Forschungsergebnisse zu Strategien selbstregulierten Lernens in der schulischen Begabtenförderung. Für die Praxis schreibt Dagmar Berg-Winkels zum selbstregulierten Lernen im Elementarbereich (Kindertagesstätten) und Victor Müller-Oppliger plädiert für eine Weiterentwicklung der Begabtenförderung zu selbstgestaltendem Lernen im Rahmen von Selbstlernarchitekturen, wie sie an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz praktiziert werden. Fallgeschichten und ein Kommentar von Friedrich Oswald zum Thema runden die Nummer ab.


Swissgifted Journal 1/2010

Mit der bereits fünften Nummer ihres Journals bringt die Schweizerische Gesellschaft für Begabungs- und Begabtenförderung eine reichhaltige Publikation heraus. Zwei Übersetzungen aus dem Englischen machen Joe Renzullis Überlegungen zum induktiven Lernen und eine Neufassung des differenzierten Modell von Begabung und Talent von Françoys Gagné zugänglich. Wichtige Impulse für die Praxis liefert Claudia Waldvogel. Sie stellt Ergebnisse ihrer Masterarbeit zur begabungsfördernden Leistungsbewertung vor. Und Albert Ziegler präsentiert seine Überlegungen zum nicht ganz unbelasteten Verhältnis zwischen Pädagogik und Bildungsökonomie in einer für das Thema Begabungs- und Begabtenförderung animierenden Weise. Matthias Giger porträtiert John Frederic Feldhusen und dessen Exzellenzmodell, das vor allem für die Oberstufe Beachtung verdient. Ein kurzes Interview mit der Begabungsforscherin und Lehrpersonenbildnerin Heidrun Stöger, eine ausführliche Rezension des LISSA-Buches «Begabungsförderung leicht gemacht» sowie zahlreiche weitere Buchbesprechungen runden das Heft ab. Zu bestellen über www.swissgifted.ch. (Das nächste Seminar von Swissgifted findet am 11.9.2010 in Luzern statt.)

www.swissgifted.ch


Rost, Detlef H. (2009). Intelligenz. Fakten und Mythen. Weinheim/Basel: Beltz

(sg) Wer sich mit Konzepten und empirischen Ergebnissen zur Intelligenz auseinandersetzen will und über Basiskenntnisse der Statistik verfügt, findet im neusten Werk des Marburger Intelligenz- und Hochbegabungsforschers Rost eine reichhaltige und gleichwohl kompakte Sammlung. Rost geht davon aus, dass zum besterforschten Merkmal der Psychologie viele Irrtümer, Fehlmeinungen und Mythen kursieren. Sein Anliegen ist es, dem mit gesicherten Fakten entgegenzutreten. Er fasst traditionelle und alternative Theorien zur Intelligenz zusammen und zeigt auf, wie weit sie empirisch belegt sind. Als «goldenen Standard» identifiziert Rost hierarchische Intelligenzmodelle mit g (allgemeine Intelligenz) an der Spitze. Mit alternativen Modellen (soziale, emotionale, praktische etc. Intelligenz, bzw. Multiple Intelligenzen) geht Rost kritisch ins Gericht und führt sowohl theoretische Mängel wie auch unzureichende empirische Belegbarkeit an. Im Kapitel zur Intelligenzmessung und Hochbegabungs-Diagnose geht der Autor u.a. auf verschiedene Tests ein. Neben Unterschieden nach Geschlecht und sozioökonomischem Status referiert Rost auch die Relevanz von Intelligenz für Schul- und Berufserfolg, sowie das Zusammenspiel von Vererbung und Umwelteinflüssen. Im letzten Kapitel schliesslich bespricht der Autor Fragen der Konstanz und Veränderung von Intelligenz, über die Lebensspanne wie auch über Generationen hinweg. Für alle, die in Studium oder Beruf mit dem Thema befasst sind, wird das Buch durch Kapitelzusammenfassungen, umfangreiche Literaturliste und Register zu einem praktischen Handbuch.

www.beltz.de


journal für begabtenförderung, 2/2009

Im Hauptbeitrag dieser Nummer stellen Heidrun Stöger und Albert Ziegler ihren Ansatz «Begabungsförderung aus einer systemischen Perspektive» vor. Ausgehend von einer kritischen Betrachtung der traditionellen Begabtenförderung in Deutschland (Bildung homogener Lerngruppen, Akzeleration, Enrichment und Pull-out) plädieren die Schreibenden für einen systemischen Ansatz, dessen Ziel es ist, individuell abgestimmte hochwirksame Lernumgebungen zu schaffen. Im Aktiotop-Modell, das Stöger und Ziegler vorstellen, geht es darum, den Erwerb und den Gebrauch eines exzellenten Handlungsrepertoires zu erklären und bestmögliche Förderbedingungen zu analysieren. Die Lektüre dieses Artikels ist ebenso anspruchsvoll wie anregend.
Zwei weitere Beiträge (Harder/Grassinger und Sontag/Steinbach) konzentrieren sich dann auf Begabungsförderung im System Familie bzw. im System Schule. Zum Teil werden diese Artikel allerdings den ungleich verteilten Ressourcen und Belastungen, mit denen die angesprochenen Systeme im Alltag konfrontiert sind, nicht gerecht.
Silja-Susann Taxis und Karina Schulze stellen ein webbasiertes Mentoring zur Förderung mathematisch-naturwissenschaftlich interessierter Mädchen vor. Im Projekt CyberMentor wird neben den Mikrosystemen Schule und Familie ein weiteres förderliches Mikrosystem aufgebaut. Angeboten werden anregende Aufgabenstellungen und Einblicke in mögliche Berufsfelder sowie Beziehung zu Vorbildern und Gleichgesinnten (Mentorin mit mathematisch-naturwissenschaftlichem oder technischem Beruf; andere am Projekt beteiligte Mädchen).
Im Fallbeispiel (Grassinger/Harder) schliesslich wird der systemische Zugang nochmals illustriert.


Begabungsförderung leicht gemacht
Unterlagen und Konzepte von LISSA-Preisträgern

hep verlag | ISBN 978-3-03905-574-6

Wie lässt sich eine breite Begabungsförderung in der Primarschule erfolgreich einführen und nachhaltig umsetzen? Dieses Handbuch gibt Antworten. Acht mit dem LISSA-Preis (Lernfreude in Schweizer Schulen anregen) ausgezeichnete Schweizer Primarschulen präsentieren ihre Modelle und gewähren Einblick in die konkrete Umsetzung. Neben Erfahrungsberichten stellen sie eine breite Palette von Arbeitsunterlagen zur Verfügung. Drei ergänzende Grundlagentexte geben weitere nützliche Impulse. Ein Buch aus der Praxis für die Praxis - für alle Lehrpersonen, die ihren Unterricht mit Elementen der Begabungsförderung anreichern wollen.

www.hep-verlag.ch


Karin Thalmann-Hereth (2009). Hochbegabung und Musikalität.
Integrativ-musiktherapeutische Förderung hochbegabter Kinder.

Wiesbaden: VS Verlag der Sozialwissenschaften

Intention dieses Buches ist es zu begründen, weshalb hochbegabte Kinder nicht einseitig intellektuell gefördert werden sollten, bzw. darzulegen, wie eine musiktherapeutische Förderung zu einer ausgewogenen Entwicklung beitragen kann. Die Autorin verbindet Modelle und Ergebnisse aus der Begabungsforschung mit solchen zur Musikalität sowie mit Konzepten der Integrativen Therapie (nach Petzold). Ergänzt wird das Werk durch Schilderungen aus musiktherapeutisch angereicherten Förderkursen, welche die Autorin im Rahmen des stadtzürcherischen «Universikums» angeboten hat.

Während die Verknüpfung von Begabungsmodellen, Forschungsergebnissen zur Musikalität und Ansätzen der Integrativen Therapie interessante Aspekte birgt, wird der Nutzen einer musiktherapeutischen Intervention bei Hochbegabten zwar behauptet, kann jedoch nicht wirklich belegt werden. So bleibt vieles im Bereich des Hypothetischen oder der punktuellen persönlichen Erfahrung, was aber durchaus anregt zu vertiefter Auseinandersetzung mit der Thematik.

www.springerlink.com


Zeitschrift: journal für begabtenförderung 1|2009

Unter dem Titel «Integrative Begabungs- und Begabtenförderung» steht diese Nummer ganz im Zeichen des Schulweiten Enrichment Modells SEM, das breit und umfassend abgehandelt wird. Das Modell wird sowohl unter dem Aspekt der Schulentwicklung (Marion Rogalla) wie auch jenem des selbstbestimmten Lernens (Ulrike Kempter) beleuchtet. Ergänzend wird ein Methodentrainig für eigenständige Projektarbeiten vorgestellt (Marion Rogalla, Doris Müller-Hostettler). Die Praxisbeispiele stammen aus Wien, der Zentralschweiz und dem Kanton Appenzell und beziehen sich je auf eine Primar- und eine Sekundarschule sowie auf ein Gymnasium. Auch in der Fallgeschichte wird gezeigt, wie das Drehtürmodell von Renzulli im Einzelfall umgesetzt werden kann.


Zeitschrift: journal für begabtenförderung 2|2008

Die mit Verspätung erschiene zweite Ausgabe 2008 des «journals» thematisiert Kinder-Unis und das Junior-Studium. Immer mehr Universitäten im deutschsprachigen Raum und so auch in der Schweiz machen Angebote für Kinder. Dabei geht es primär darum, Kindern einen Besuch an der Hochschule zu ermöglichen, ihnen spannende Themen altersgerecht näher zu bringen und die Perspektive auf ein späteres Studium zu öffnen. Ob diese Form der Kinder-Uni als Begabungs- und Begabtenförderung betrachtet werden kann, bleibe dahingestellt. Kritisch wird in den Beiträgen jedenfalls angemerkt, dass diese Angebote vor allem Kinder aus bildungsnahen Familien ansprechen. Die Junge Uni Innsbruck hat sich deshalb vorgenommen, intensiver mit den Volksschulen zusammenzuarbeiten, um für möglichst alle Kinder den Kontakt zu Uni herzustellen (Beitrag Silvia Prock). Auch Julia Schneewind und Cornelia Krause betonen in ihrem Aufsatz über die Kinderhochschule an der PHZ Zug die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Hochschule, wenn es wirklich um die Förderung begabter Kinder geht. Das sogenannte Junior- oder Früh-Studium bietet willkommene Möglichkeiten von Akzeleration und Enrichment für ältere Schülerinnen und Schüler (Beiträge Stumpf/Schneider; Halbritter; Woestmann/Dessauer). Kritisch wird aber auch hier angemerkt, dass Schulen vor allem Leistungsstarke für das Frühstudium vorschlagen und es wird für eine bessere Beratung und Betreuung seitens der Schulen plädiert (Beitrag Solzbacher). Dass in der Schweiz das Frühstudium noch eine seltene Erscheinung ist, wird wohl zu Recht angemerkt, kann aber nicht als Fehlen von Fördermassnahmen an Gymnasien interpretiert werden.


Ulrike Stedtnitz (2008). Mythos Begabung. Vom Potenzial zum Erfolg.

Bern: Verlag Hans Huber

Mit ihrem neuen Buch will die bekannte Zürcher Psychologin unter anderem aufzeigen, wie problematisch die Etikettierung «Hochbegabung» sein kann, und sie will dazu beitragen, neue Ergebnisse der Intelligenzforschung, der kognitiven Neurowissenschaften und der Expertiseforschung einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Gut abgestützt auf übersichtlich dargestellte Modelle zu Intelligenz und Hochleistung (Gardner, Sternberg, Heller, Renzulli) bricht die Autorin eine Lanze für die Förderung kreativer Produktivität im Sinne des Drei-Ringe-Modells nach Renzulli, dessen Elemente ausführlich zur Sprache kommen. Der Weg vom Potenzial zum Erfolg führt nach Stedtnitz über eine Stärkung von Motivation, Durchhaltevermögen und der Fähigkeit mit Rückschlägen und Frustrationen umgehen zu können. Und gerade der Motivation, sich über längere Zeit mit einem Thema zu befassen und mit gezielter Übung auf einem Gebiet Expertise zu erlangen, kann eine Etikettierung schaden. In den drei Schlusskapiteln zeigt die Autorin Möglichkeiten einer sinnvollen Förderung von Potenzialen durch Eltern, Schule und Gesellschaft. Das Buch ist übersichtlich strukturiert, wissenschaftlich sorgfältig recherchiert und belegt, wirkt durch knappe Zusammenfassungen und «Fragen zum Weiterdenken» anregend und eignet sich aufgrund des Personen- und Sachwortregisters auch als Nachschlagewerk.


Neue Zeitschrift: SwissGifted

Die neu gegründete Schweizerische Gesellschaft für Begabungs- und Begabtenförderung tritt mit einem Journal an die Öffentlichkeit. Die erste Nummer enthält eine Analyse zur historischen und aktuellen Entwicklung der Begabungsförderung in der Schweiz, einen Artikel zu Chancen und Risiken der Umsetzung integrativer Begabungsförderung und eine Replik zur Diskussion um Elitegymnasien. Übersetzungen aus dem Englischen befassen sich mit Differenzierung im Klassenzimmer sowie Hochbegabung und Mobbing. Zu finden sind im Weiteren eine historische Abhandlung und Buchbesprechungen. Das Journal (Umfang Nr. 1: 36 Seiten) erscheint zweimal jährlich, kann für 45 Franken abonniert werden und kostet als Einzelnummer 29 Franken → www.swissgifted.ch


Zeitschrift: High Ability Studies 2/2007

SG. Die englischsprachige Zeitschrift des European Council for High Ability (ECHA) bringt in ihrer zweiten Nummer 2007 zunächst einen Beitrag, der das Zusammenspiel von domänen-spezfischen und nicht-domänen-spezifischen Aktivitäten bei der Entwicklung von Fussball-Expertise beleuchtet. Das Ergebnis zeigt, dass Übungen in anderen Sportbereichen das Fussball-Können nicht positiv beeinflussen. Belegt wird aber auch, dass Erfolgserlebnisse aufgrund konsequenten Übens die Motivation steigern und weitere Anstrengungen beflügeln. Ein Beitrag aus China befasst sich mit Begabung für «Leadership» und zeigt, dass intrapersonale Intelligenz und gute Sprachfähigkeiten eine hohe Vorhersagekraft für Erfolg im Bereich «Leadership» haben, und plädiert für die Förderung solcherart begabter junger Menschen in den Bereichen Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung und Kommunikation. Ein weiterer Artikel beschreibt eine Anwendung des Rasch-Modells, die es Forschenden in Hong-Kong erlaubte, Leistungsmuster von Schüler/innen zu erkennen und Underachiever zu identifizieren. Eine in Zimbabwe durchgeführte Studie zeigt auf, wie «Hochbegabung» in der Ndebele-Kultur definiert wird und macht damit deutlich, wie wichtig kulturelle Sensibilität im Reden und Handeln in diesem Bereich ist. Dagegen belegt eine türkische Untersuchung, dass Forschungsergebnisse zur Kreativität, die in der Regel aus den USA oder Europa stammen, durchaus auf die türkische Bevölkerung übertragbar sind.


Zeitschrift: journal für Begabtenförderung 2/2007

SG. Diese Ausgabe des Journals ist «sperrigen» hochbegabten Kindern und Jugendlichen gewidmet. Die Ausgangsthese lautet, dass sie, werden sie nicht mit ihren individuellen Bedürfnissen wahr- und ernst genommen, zum Rückzug neigen, gleichsam aussteigen oder ihr Umfeld gnadenlos herausfordern. Das Heft steht denn auch unter dem Titel «Herausforderer – Rückzieher – Aussteiger», womit auch drei der von Georges Betts und Maureen Neihart definierten Verhaltensprofile zur Identifikation Hochbegabter angesprochen sind, die im Heft vorgestellt werden. Ein Beitrag befasst sich mit der spezifischen Situation Hochbegabter in der Pubertät, ein anderer mit Interventionsmöglichkeiten zur Unterstützung von in mehrfacher Hinsicht «ungewöhnlichen» Kindern (z.B. Hochbegabung und Autismus). Daneben finden sich Fallbeispiele von Underachievern und ein Artikel, der aufzeigt, wie im differenzierenden / individualisierenden / personalisierten Unterricht adäquat auf die Bedürfnisse hochbegabter Kinder eingegangen und verzweifelte Reaktionen – wie die im Titel angetönten – vermieden werden können.


Zeitschrift: journal für begabtenförderung 2/2006

In der mit etwas Verspätung herausgekommenen neuen Nummer des Journals steht Begabungsförderung in der frühen Kindheit im Zentrum. Die Hauptbeiträge von Sabina Pauen und Janna Pahnke (Denkentwicklung und Begabungsförderung) bzw. Franz Mönks (Frühkindliche Entwicklung) begründen Begabungsförderung in der frühen Kindheit vor dem Hintergrund entwicklungspsychologischer Erkenntnisse. Der Beitrag von Dagmar Bergs-Winkels liefert pädagogische Anregungen für die Förderung von Vorschulkindern. Interessant für die Praxis sind die Beiträge zu Kunst im Kindergarten (Peter Winkels) und zu einem Projekt, in dem Oberstufen-Schüler/innen Physik-Lektionen für den Kindergarten vorbereiten und durch-führen (Joachim Brucherseifer). Auch die Fall-geschichten fokussieren Vorschulkinder und bearbeiten die Frage, ob eine vorzeitige Einschulung für die betreffenden Kinder angezeigt wäre und wie sie optimal gestaltet werden sollte.
Schade ist, dass im Heft in keiner Weise auf die Neugestaltung der Schuleingangsphase eingetreten wird, die in allen drei deutschsprachigen Ländern in Diskussion und Erprobung ist und sowohl für Akzeleration (individuelle Durchlaufzeit) wie auch für Enrichment (z.B. im projektartigen altersgemischten Lernen) mehr Spielraum bietet als die bestehenden Strukturen.


Doris Perrodin-Carlen (2007): Et si elle était surdouée?

Un guide pour sensibiliser les parents, les enseignants et les autorités scolaires
Verlag SZH/CSPS

www.csps-szh.ch


Zeitschrift: journal für begabtenförderung 1/2006

Die neue Ausgabe des Journals ist dem Thema «Familien mit begabten Kindern» gewidmet. Aus verschiedenen Blickwinkeln werden Entwicklungsbedingungen und die Möglichkeiten der Begabungsförderung in der Familie betrachtet. Für Eltern von Vorschulkindern besonders wertvoll dürfte der Beitrag von Christoph Perleth zur «Förderung der intellektuellen Begabung» sein. Der Autor spricht Eltern direkt an und zeigt, wie sie mit einfachen Mitteln ihren Kindern ein anregungsreiches, förderliches Umfeld schaffen können. Die andern Beiträge beleuchten das Thema von der Forschung her, aus den Erfahrungen einer Beratungsstelle und aus der Perspektive eines Elternvereins.
Was in der Nummer leider fehlt, ist eine Reflexion darüber, wie Entwicklungs- und Begabungsförderung für jene Kinder gewährleistet werden kann, deren Eltern dazu nicht in der Lage sind, und welche Rolle dabei Tagesstätten, Kindergarten und Schule zukommt.


Brunner, I., Häcker, T., Winter, F. (Hrsg.) (2006): Das Handbuch Portfolioarbeit
Kallmeyer Verlag

Das Handbuch stellt das wichtige pädagogische Instrument der Portfolioarbeit konzeptionell tief greifend und praxisrelevant dar. An ihm haben insgesamt 30 Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Praxis mitgearbeitet. Die Portfolioarbeit wird in ihrer Bedeutung für die Reform des Unterrichts, der Leistungsbewertung und der institutionellen Verwendung breit dargestellt. Neben den konzeptionell-theoretischen Beiträgen werden Beispiele aus Schule, Lehrerbildung und einem Betriebsprojekt vorgestellt. Die Anleitung der reflexiven Arbeit erhält dabei viel Raum. Es werden aber nicht nur die Vorzüge der Portfolioarbeit herausgestellt, sondern auch Bedenken formuliert.


Stamm. M. (2005): Zwischen Exzellenz und Versagen. Frühleser und Frührechnerinnen werden erwachsen.

Zürich/Chur. Verlag Rüegger

Vor 10 Jahren war in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften der deutschen Schweiz zu lesen, dass fast ein Viertel der Kinder beim Schuleintritt im Lesen und/oder Rechnen ein halbes Jahr oder mehr voraus ist und deshalb in mittlerem bis grösserem Ausmass unterfordert wird. Margrit Stamm legte damit erstmals Zahlen zum Stand dieser schulischen Kernkompetenzen für den Beginn der Schule vor. Diese Ergebnisse stellen seither zentrale Argumente in der Diskussion um verschiedene Aspekte der Schule in der Schweiz dar: Begabungs- und Begabtenförderung, vorzeitige Einschulung und Überspringen, Vorverlegung des Schuleintritts oder Veränderung des Schulanfangs in Richtung Basis- oder Grundstufe. Jetzt, 10 Jahre später, legt Margrit Stamm einen umfassenden Überblick über die Entwicklung dieser Kinder (im Vergleich mit einer Kontrollgruppe) vor. Für etwas mehr als 200 frühlesende und/oder –rechnende Kinder existieren nun Kennwerte zur Entwicklung vom 7. bis zum 15. Altersjahr.
Es ist das Verdienst der umfangreiche Forschung von Frau Stamm, ein schweizerisches Pendant zur berühmten Terman-Studie (welche die Hochbegabten eines ganzen Jahrgangs aus Kalifornien bis ins hohe Alter verfolgte und zu einem Kernbestandteil aller Forschung zu Begabung und Hochbegabung machte) geschaffen zu haben. Die Forschung über Frühleser und –rechnerinnen in der deutschen Schweiz liefert zentrales Wissen sowohl zur Entwicklung guter Lernerinnen und Lerner als auch für die aktuelle bildungspolitische Diskussion. Das Buch wird damit zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk und Grundwissen für Forschende, Lehrende an Pädagogischen Hochschulen, Lehrpersonen mit einem Schwerpunkt in Begabungsförderung, Verantwortliche in der Bildungspolitik, aber auch für Verantwortliche in Elternbildung und Familienpolitik. Die Ermöglichung eines Nachfolgewerks in 5 bis 10 Jahren zur beruflichen Ausbildung und Entwicklung dieser besonders gut in die Schule gestarteten Kinder ist der Autorin sehr zu wünschen.


Brunner, Esther; Gyseler, Dominik; Lienhard, Peter (2005). Hochbegabung – (k)ein Problem? Handbuch zur interdisziplinären Begabungs- und Begabtenförderung.

Zug: Klett und Balmer 

Noch ein Buch, das sich dem Thema Hochbegabung mit grundlegendem Anspruch nähert? Haben wir das nicht alles schon x-mal gehört und gelesen? Wer sich der Publikation mit diesen bangen Fragen nähert, wird angenehm überrascht sein. Die Autorin und Autoren greifen zwar durchaus Bekanntes (z.B. die Modelle der Hochbegabung) nochmals auf, stellen es aber in neuer Klarheit und gleichzeitig sehr differenziert dar. Sie richten einen sonderpädagogisch geschulten Blick auf die Thematik und begründen sorgfältig, weshalb sie das tun. Sehr hilfreich ist das Kapitel «Diagnostik und Massnahmenplanung» mit seinen systematischen Darstellungen und dem fundierten Bezug zwischen Diagnostik und Massnahmenplanung. Ausgehend von einer forschungsgestützten Typologie werden verschiedene Profile hochbegabter Kinder aufgezeigt und für die Förderung systematisch mit anzustrebenden Entwicklungsschritten, methodisch-didaktischen Ansätzen, Unterrichtsgestaltung und Lehrpersonenverhalten kombiniert. In einem zentralen Kapitel unterscheiden die Autorin und die Autoren wohlbegründet zwischen «begabungsförderndem Unterricht» und «Unterricht für Begabte» und erläutern beides anhand von Theorie und zahlreichen Beispielen aus der Praxis. Sie zeigen auch Fallen auf, in die man im Umgang mit begabten Kindern geraten kann. Schliesslich werden Fragen der Elternberatung und der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen aufgegriffen. Alles in allem vermittelt die Schrift auf gut 100 Seiten die Ergebnisse von Forschung und Praxiserfahrung nach dem neuesten Stand in sehr eingängiger und übersichtlicher Weise. Die Schrift ist höchst empfehlenswert für alle, die im schulischen Kontext mit begabten Kindern arbeiten.


Kommentierte Medienliste der privaten Fachstelle Ingenia

Die private Fachstelle Ingenia hat eine Liste von Büchern und weiteren Medien bereitgestellt. Die Liste umfasst Literatur zur Entwicklungspsychologie, Grudnlagenliteratur zu Begabung, Hochbegabung und Begabungsförderung, stellt aber auch Kindersachbücher, Werke zu Lern- und Arbeitstechniken sowie Unterrichtsmaterialien für verschiedene Fachbereiche vor.

→ www.ingenia.ch/other/library.pdf


Thema Kreativität im journal für begabtenförderung 2/2004

Die zweite Nummer des journal für begabtenförderung in diesem Jahr ist dem Thema Kreativität gewidmet. Es geht zunächst um den Schlüsselbegriff selbst (Friedrich Oswald) und dann ums Entwickeln, Fordern, Fördern, Erkennen und Testen von Kreativität (Klaus K. Urban), ums Philosophieren mit Kindern (Kristina Calvert), um die kreative Förderung in Mathematik (Esther Brunner und Margret Schmassmann), im Sprachunterricht (Tamara Mathier) und im Bereich der visuell-räumlichen Fähigkeiten (Daniela Grunder). Vorgestellt werden der «Explorer» als Instrument zur Förderung des forschenden und schöpferischen Denkens (Peter Flury) und die TransFormAktion als Methode zur Entwicklung zukunftsgerichteter Strategien in Unternehmen und Organisationen (Jürg Wilhelm). Die Fallgeschichte schildert ein Mentorat mit einem hoch kreativen Mädchen (Ania Chumachenco). Schliesslich startet das journal eine neue Rubrik, in der künftig Spiele vorgestellt werden sollen, die sich für die den begabungsfördernden Einsatz in Unterricht und Freizeit eignen.


journal für begabtenförderung, 1/2004

Begabtenförderung und Schulentwicklung steht als Thema im Zentrum der neuesten Ausgabe des «journal für begabtenförderung». Pointiert betitelt Willi Stadelmann seinen Beitrag: «Begabungsförderung ist ohne Schulentwicklung nicht möglich» und bringt damit auch die Sichtweise des Netzwerkes Begabungsförderung zum Ausdruck. Für Leserinnen und Leser aus der Schweiz also nichts Neues, für sie interessant dürften aber die Fallbeispiele aus Gymnasien in Deutschland und Österreich sein. Aufschlussreich ist auch der Beitrag von Friedrich Oswald, in dem er aufzeigt, wie ein didaktischer Ansatz (Cooperatives Offenes Lernen COOL) zur Erkennung von Begabungen eingesetzt werden kann bzw. inwiefern «dynamisches Assessment» dazu geeignet ist, die Lernfähigkeit von Lernenden (statt schulischer Wissensbestände) zu erfassen.


Anna-Verena Fries (2004): Die Rede über Hochbegabung.

Zürich: Verlag Pestalozzianum

Dass die Volksschule hochbegabte Schülerinnen und Schüler besonders fördern soll, ist eine (Heraus-)Forderung, die vor wenigen Jahren Hochbegabung zu einem kontroversen Thema machte. Heute hat sich Normalität eingespielt: Lehrkräfte bilden sich weiter, Fachleute beraten, Schulen veranstalten Projekte. Alle Beteiligten reden von, schreiben über, argumentieren gegen oder stellen Vermutungen an über – Hochbegabung und Hochbegabte. Die Gesamtheit der sprachlichen Vorgänge ist die Rede, um die es im vorliegenden berichtenden Essay geht. Die Autorin hat Antworten aus einer Umfrage, Verwaltungsdokumente und Fachliteratur auf Merkmal hin untersucht, welche für die Rede über Hochbegabung typisch sind. Sie lässt Leserinnen und Leser erleben, dass die Rede dank dieser Merkmale zur Etablierung des Themas in den Alltag der Volksschule beiträgt.


Christine Böckelmann, Regula Hug (Hrsg.)(2004). Mosaik Begabungsförderung. Konzepte und Erfahrungen aus dem Schulfeld.
Zürich: Verlag Pestalozzianum

Wie Begabungsförderung konkret aussieht, welche Erfahrungen Lehrpersonen in Unterricht und Schulhaus machen und wo in der Praxis Schwierigkeiten und Stolpersteine auftraten – dazu sind in dieser neuen Publikation verschiedene Mosaiksteine zusammengestellt. Lehrpersonen zeigen, wie sie Massnahmen umsetzen und welche Vorteile sich dafür für die beteiligten Kinder ergeben. Die 13 Mosaiksteine ordnen sich unter drei Hauptkapitel: Begabungsförderung im Unterricht, Begabungs- und Begabtenförderung im Schulhausteam, Hochbegabtenförderung als spezifische Gruppen- und Einzelförderung. Die Beispiele stammen aus der Stadt und dem Kanton Zürich und Nachbarregionen und beziehen sich auf verschiedene Stufen. Umrahmt werden die Erfahrungsberichte von Beiträgen zum Begabtenfördermodell der Stadt Zürich, dem Universikum, und einer kurzen theoretischen Einführung in das Verständnis der Verschränkung von Begabungs-, Begabten- und Hochbegabtenförderung, das dem Buch zugrunde liegt. Am Schluss der Publikation finden sich einige konkrete Instrumente (z.B. eine Liste mit Merkmalen, die auf Hochbegabung hinweisen können), Angaben zum Verfahren beim Klassenüberspringen im Kanton Zürich, ein Glossar mit Fachausdrücken und eine Linkliste.


Neue Zeitschrift: lernplatzMAGAZIN

Die private Initiative «lernplatz wil» hat mit der ersten Nummer des lernplatzMAGAZIN im April eine Publikationsreihe eröffnet, die mit drei Ausgaben pro Jahr fortgesetzt werden soll. Die erste Nummer enthält grundsätzliche Gedanken zu den Themen Hochbegabung, Lernen, Begabungsförderung, Buchrezensionen, ein Portrait des «lernplatz» in Wil (SG), Interviews u.v.m.

Bestellungen via: lernplatz wil, Redaktion lernplatzMAGAZIN, Glärnischstr. 13, 9500 Wil oder per E-Mail:info[at]lernplatz-wil.ch.


Peter Flury (2004). Unterricht nach Mass. Wege zur Differenzierung im Unterricht.
(ECHA-Diplomarbeit). Chur: Eigenverlag

Peter Flury hat sich in seiner Diplomarbeit zum Ziel gesetzt, Lehrpersonen gangbare Wege zur Differenzierung im Unterricht aufzuzeigen, ihnen konkrete Instrumente zur Umsetzung anzubieten und mit Praxisbeispielen die Realisierbarkeit eines individualisierenden Unterrichts zu belegen. Einen Akzent setzt er auf der Frage, welche Methoden besonders für die Förderung hoch begabter Mädchen und Knaben geeignet sind. Entstanden ist eine sehr übersichtliche und anschauliche Zusammenstellung von nützlichen Tools und Unterrichtsmethoden, die auf das ganze Leistungsspektrum der Kinder Rücksicht nehmen. Geeignet ist die Publikation vor allem für Lehrpersonen, die den Einstieg in ELF (erweiterte Lernformen) suchen; ihnen bietet sich ein kompakter Handweiser.
Bestellt werden kann die Publikation für 38 Franken (zuzüglich Versandkosten) bei: Amt für Volksschule und Sport (AVS), Ressort Projekte, Urs Grazioli, Quaderstr. 17, 7000 Chur, Tel: 081 257 27 20, E-Mail: urs.grazioli[at]avs.gr.ch.


journal für begabtenförderung, 2/2003

Die aktuelle Ausgabe des Journals widmet sich dem Thema Leistungsschwierigkeiten. Ein Artikel geht auf die Situation begabter Kinder mit Lernschwierigkeiten ganz allgemein ein, plädiert für eine systemische Förderdiagnostik und stellt ressourcenorientierte Förderansätze vor. Im Übrigen steht das Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADS/ADHS) im Zentrum des Heftes. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird das Syndrom beschrieben (inkl. Fallbeispiele und Therapiemöglichkeiten). Es wird betont, dass ADS/ADHS auch bei hochbegabten Kindern auftritt; gleichzeitig werden die Unterschiede zwischen Symptomen im Zusammenhang mit ADS/ADHS und jenen, die bei schulisch unterforderten Kindern auftreten, deutlich herausgearbeitet. Schliesslich werden Konsequenzen für eine ADHS berücksichtigende Schulpädagogik gezogen.


journal für begabtenförderung, 1/2003

Das neue Heft des Journals für Begabtenförderung widmet sich dem Thema «Identifikation von Begabungen». Ausführlich vorgestellt wird ein an der Universität Ulm entwickeltes und in der dortigen Forschungs- und Beratungsstelle für Hochbegabung zur Anwendung kommendes Modell zur Identifikation von Hochbegabten. Der Kürzel für das Modell heisst ENTER und es steht für Erkunden (Explore), Einengen (Narrow), Testen (Test), Bewerten (Evaluate) und Nachprüfen (Review). In zwei Beiträgen werden der theoretische Hintergrund zum Modell sowie seine praktische Anwendung erläutert. Zwei weitere Beiträge befassen sich mit der Identifikation von zwei Gruppen von Kindern, die in traditionellen Verfahren oft übersehen werden: Kinder aus kulturellen Minoritäten und Mädchen. Schliesslich führen zwei Autorinnen sehr anschaulich und mit vielen praktischen Hinweisen in die Handhabung des Portfolios als Instrument zur Identifizierung von Kindern ein.


Krafft, Thomas von & Semke, Edwin (2002): Der grosse Begabungstest.

Kempen: Mosesverlag

Die beiden Autoren bieten Aufgaben an, mit denen bei Kindern Begabungen festgestellt werden können. Krafft und Semke orientieren sich am Begabungsmodell, das der Amerikaner Howard Gardner 1991 vorlegte (Abschied vom IQ). In ihrem Buch finden sich Aufgaben für folgende sieben Bereiche: logisches Denken, sprachliche Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen, Kreativität, praktische Begabung, Sportlichkeit und Körperkoordination, Musikalität. Die Aufgaben richten sich an Eltern von sechs- bis zwölfjährigen Kindern. Neben den richtigen Lösungen bietet das Buch auch Altersnormen, mit deren Hilfe die Leistungen des Kindes als unterdurchschnittlich, durchschnittlich und überdurchschnittlich bezeichnet werden können. Weiter gibt es Hinweise zur Förderung in den verschiedenen Bereichen. Ausserdem enthält das Buch ein Glossar, eine Literaturliste und Hinweise auf Wettbewerbe und Beratungsstellen.
Das Werk ist sorgfältig und ansprechend gestaltet. Es werden viele Beispiele von überdurchschnittlich begabten Personen aufgeführt. Schade ist dabei, dass die Autoren gerade mal zwei weibliche Menschen gefunden haben. Der vorliegende Band will Eltern dazu ermutigen, sich auf die Vielfalt der Begabungen einzulassen und z.B. nicht ausschliesslich auf kognitive Begabung zu setzen. Das gefällt mir gut. Was mir als Psychologin nicht so gut gefällt, ist die Tatsache, dass der Eindruck entsteht, das Testhandwerk sei ausgesprochen leicht und unkompliziert. Die Autoren betonen die Wichtigkeit des Potenzials und weisen meines Erachtens zu wenig darauf hin, dass für hohe Leistungen auch Arbeitstechnik und „task-commitment“ (Motivation) nötig ist. Auch ist keine Rede von begabten Minderleistern. Als Lehrerin fürchte ich darum, dass dieses Buch bei den einen und andern Eltern falsche Erwartungen wecken könnte. (Brigit Ulmann Stohler, Basel)


Edgar, John & Walcroft, Erin (2002): Hilfe, ich habe einen Einstein in meiner Klasse!, Wie organisiere ich Begabtenförderung?

Mühlheim an der Ruhr: Verlag an der Ruhr

Edgar und Walcroft wollen die Begabten im Rahmen der Klasse fördern. Zunächst geht es darum, wie Hochbegabte erkannt werden können und was sie brauchen. Neben den bekannten Checklisten und Merkmalen finden sich Hinweise, wie überdurchschnittliche Begabungen bei Nicht - Muttersprachlern und Kindern aus bildungsfernen Schichten aussehen können. Die Leser und Leserinnen werden bei der Einrichtung eines Förderprogramms unterstützt und erfahren Näheres über Medien- und Technikeinsatz, Denkstrategien, Zusammenarbeit mit ausserschulischen Experten. Im zweiten Teil werden Fallbeispiele und Tipps zu unterschiedlichen Themenaspekten präsentiert : emotionale oder herkunftsspezifische Bedürfnisse berücksichtigen, ästhetisches und ethisches Lernen, Präsentationstechniken, Planung eines Forschungsauftrages, Kommunikationsregeln, eigenständiges Lernen. Im letzten Teil finden sich Vorschläge zur Auswertung der Ergebnisse und des Arbeitsprozesses, bestehend aus Selbst- und Fremdeinschätzung. Am Schluss finden sich Hinweise für Implementierung solcher Programme und Vernetzung mit andern Schulen. Der Anhang enthält Surftipps für Erwachsene und Kinder, Wettbewerbe, Literaturangaben.
Das Buch fokussiert auf die Machbarkeit der Begabtenförderung und bietet eine Fülle von Tipps und Tricks für den Schulalltag
(Brigit Ulmann Stohler, Basel)


journal für begabtenförderung, 2/2002

In der dritten Ausgabe des Journals geht es um das Überspringen von Schulstufen und Jahrgangsklassen. Das Thema wird von Autorinnen und Autoren aus den drei deutschsprachigen Ländern bearbeitet, für die Schweiz leistet Konstantin Bähr (Zürich) einen Beitrag. Neben Fallgeschichten, Rezensionen und einer ausführlichen Begriffsbestimmung zu «Enrichment» und «Akzeleration» finden sich in der Rubrik «Für die Praxis» hilfreiche Hinweise für den Entscheidungsprozess, wenn es darum geht, eine Schulklasse zu überspringen.


Die Förderung besonders begabter Kinder. Evaluation des Schulversuchs 1. Förderung durch Sonderprogramme. Liliane Schulthess-Singeisen.

Amt für Bildungsforschung (4/02), Bern, November 2002

Der Bericht fasst die Ergebnisse der Evaluation des bernischen Schulversuchs 1 «Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler» (2000 - 2003) zusammen. Die Gesamtbilanz des Schulversuchs fällt positiv aus. Auf der organisatorischen Ebene wird hauptsächlich die vom Schulalltag ziemlich isolierte Anlage bemängelt. Sowohl von Seiten der Lehrpersonen wie auch von Seiten der Mentor/innen und Koordinator/innen wird eine vermehrte Zusammenarbeit gewünscht. Die positiven Veränderungen, die Lehrpersonen und Eltern bei den Kindern beobachteten, überwiegen die negativen Eindrücke. Positiv wird vermerkt, die Kinder seien selbstbewusster, ausgeglichener und initiativer geworden und ihre schulische Motivation sei gestiegen. Negative Veränderungen werden im Bereich soziale Integration festgestellt, was mit der Sonderstellung der Kinder in der Regelklasse aufgrund der separierenden Förderprogramme und der Etikettierung zusammenhängt. Verbesserungswürdig ist auch das Selektionsverfahren, mit dem noch zu einseitig Knaben und Kinder aus bildungsnahen Schweizer Familien ausgelesen werden. Der Bericht empfiehlt eine gezielte Sensibilisierung und Motivierung von Lehrpersonen für das Thema Begabungs- und Begabtenförderung und betont den grossen Unterstützungsbedarf von Lehrpersonen im Bereich Lehrmittel und Unterrichtsmaterialien.

Zu beziehen bei: Erziehungsdirektion des Kantons Bern, Abteilung Bildungsplanung und Evaluation, Sulgeneckstr. 70, 3005 Bern, Tel. 031 633 85 07, E-Mail: BiEv[at]erz.be.ch


journal für begabtenförderung - für eine begabungsfördernde Lernkultur, 1/2002

In der zweiten Nummer dieser neuen Zeitschrift geht es um Modelle und Massnahmen zur Begabtenförderung. Die Beiträge reflektieren die Erfahrungen an der Sir-Karl-Popper-Schule in Wien, stellen die Begabtenförderung in der Stadt Zürich und die Ergebnisse der Evaluation dieses Programmes vor, beleuchten ein seit 40 Jahren praktiziertes Modell am Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig, skizzieren die verschiedenen Massnahmen an der Ecole la Garanderie in Lausanne und schildern das Förderprogramm am Stedeljik Gymnasium in Nijmegen (Niederlande). Unter dem Motto «Wie erkenne ich in meiner Klasse die hellen Köpfe?» findet sich im Heft ein ausführlicher Beobachtungsbogen von Joëlle Huser. Angereichert wird die Ausgabe durch Erfahrungsberichte begabter junger Menschen sowie Rezensionen und Veranstaltungshinweise.

Zu bestellen bei: Studienverlag, Innsbruck, Tel. 0043 512 395045 oderwww.studienverlag.at


Jäger, Michael & Jussen, Heribert (Hrsg.) (2002). Förderung körper- und sinnesbehinderter Hochbegabter. Erkenntnisse und Notwendigkeiten.

Villingen-Schwenningen: Neckar-Verlag

Entstanden ist das Werk aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Stiftung zur Förderung körperbehinderter Hochbegabter, die ihren Sitz in Vaduz hat. Die Stiftung wurde 1976 gegründet, ist privat, wird als gemeinnützig anerkannt und hat sich als erste solche Einrichtung im deutschsprachigen Raum etabliert. Die Stiftung führte zu ihrem Jubiläum eine Arbeitstagung durch, und der vorliegende Band versammelt die Beiträge der zahlreichen Referentinnen und Referenten. Neben eher theoretisch gefassten Beiträgen zu den «Grundlagen der Hochbegatenförderung bei Behinderten» finden sich praxisorientierte Beiträge über «Behinderte im Studium: Studienberatung - Studienwahl - Studienbegleitung». Aus der Sicht von Betroffenen, in Studium und beruflicher Weiterbildung geförderten Behinderten, beleuchten die «Erfahrungsberichte» die aktuelle Situation. Ergänzt wird die Sammlung durch Dokumente im Anhang, ein Stichwortverzeichnis, das den Zugang erleichtert, und ein Verzeichnis der Autor/innen.


Huser, Joëlle & Leuzinger, Romana (2001). Denk-Landschaften. Auf den Spuren von Wahrheit und Liebe. Philosophieren mit Kindern.

Aarau: sabe Verlag

In diesem sorgfältig gestalteten Band (Illustrationen: Liliana Leins) geht es um Grundfragen des menschlichen Lebens. Den Einstieg bildet ein Märchen, von dem aus gehend Themen wie Wahrheit, Liebe, Lebenssinn, Besitz, Umgang mit Schmerz und Tod bearbeitet werden können. Dazu finden sich zahlreiche Vorschläge und Denkanstösse für Einzel-, Team- und Plenumsarbeit. «Diese Materialien sind anspruchsvoll und eher für leistungsstarke und begabte Schülerinnen und Schüler geeignet», heisst es im Begleitkommentar für Lehrpersonen. Dieses Begleitheft gibt konkrete Handlungsanweisungen zur Arbeit mit dem Buch, dessen Fragestellungen durchaus auch Erwachsene anzusprechen vermögen.


Huser, Joëlle: Lichtblick für helle Köpfe.

Ein Wegweiser zur Erkennung und Förderung von hohen Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen auf allen Schulstufen
neu: 3. überarbeitete Auflage 2001
Lehrmittelverlag des Kantons Zürich, Räffelstrasse 32
Postfach, 8045 Zürich T 01-462 98 15 7 F 01-462 99 61
lehrmittelverlag[at]lmv.zh.ch

 

Das Buch führt übersichtlich und leicht verständllich in die neueren Verständnismodelle von Intelligenz und die wesentlichen Aspekte des Themas Begabten- und Begabungsförderung ein. Die Chancen und Problem der „hellen Köpfe“ werden fundiert erläutert. Konkrete Anleitungen für die tägliche Unterrichtspraxis mit praktischen Kopiervorlagen, diagnostische Hilfen, Fördermodelle und Gestaltungsperspektiven für den Unterricht in unterschiedlichen Fächern und Stufen geben den Lehrpersonen eine echte Hilfestellung für die Praxis.

 

Aus dem Inhalt
- Vorurteile oder Fakten - was ist was?
- Meine Stärken und Begabungen - wo bin ich gut?
- Schulische Unterforderung - Ursachen, Symptome und Folgen
- Minderleistende helle Köpfe - wie sie sich tarnen
- Flow - jenseits von Langeweile und Angst
- Motivation - wie ich sie in Bewegung bringe
- Kreativität - warum es ohne sie nicht geht
- Wie erkenne ich hohe Fähigkeiten?
- Fördermassnahmen - wie wer weiterkommt
- Förderung sprachlicher Intelligenz
- Förderung mathematischer Intelligenz
- Förderung räumlicher Intelligenz
- Förderung intra- und interpersonaler Intelligenz
- Weitere Fördermassnahmen
- Hilfreiche Adressen und andere Angebote

 

Kopiervorlagen für den Unterricht
- Lernvertrag
- Fragebogen für Eltern
- Interessenfragebogen für Kindergarten
- Interessenfragebogen für die Primarstufe
- Interessenfragebogen für die Oberstufe
- Beobachtungsbogen : neu: Teil A / Teil B
- Portfolio, etc.


Renzulli, Joseph S. / Reis, Sally M. / Stedtnitz, Ulrike (2001). Das Schulische Enrichment Modell (SEM), Textband und Begleitband,

Aarau: Bildung Sauerländer

Das „Schulische Enrichment Modell“ (SEM) des amerikanischen Forscherpaars Renzulli/Reis zeigt einen Weg, wie alle SchülerInnen einer Schule optimal gefördert werden können. Ulrike Stedtnitz hat das Modell an Schweizer Verhältnisse angepasst.
Im Gespräch ums Thema Hochbegabung oder Begabungsförderung scheiden sich die Geister meist an der Frage, ob es darum gehe, alle Kinder ihren Möglichkeiten gemäss zu fördern oder besonders begabte Menschen zu identifizieren und entsprechend zu fördern.
Das Forscherpaar Renzulli/Reis aus Connecticut befasst sich schon sehr lange mit dem Thema und vertritt die Ansicht, alle Kinder einer Schuleinheit sollten gefördert werden. Sie haben vor einigen Jahren das Schulische Enrichment Modell (SEM) entwickelt, das dieser Einschätzung Rechnung trägt.
Die beiden Bände stellen eine kluge „Gebrauchsanweisung“ für die Einführung eines an die Bedürfnisse der entsprechenden Schule angepassten Begabungsförderungsprogramms dar. Im Textband wird das Modell mit seinen Elementen vorgestellt, im Begleitband finden sich zahlreiche Vorlagen für Präsentationen und Unterricht sowie Ideen für Trainingsaktivitäten. Daneben enthält es eine Fülle von Hinweisen auf Literatur und Webseiten sowie Weiterbildungsangebote.

(Brigit Ulmann Stohler)
Weitere Details: → Integrative Schulentwicklung mit Elementen des schulischen Enrichment Modells (PDF)


Brunner, Esther (2001). Forschendes Lernen.

Frauenfeld: Lehrmittelverlag des Kantons Thurgau

In diesem Buch wird die Unterrichtskonzeption des forschenden Lernens zunächst in den Zusammenhang der Begabungsförderung gestellt, sorgfältig begründet und dann auf leicht nachvollziehbare Weise erläutert. Erklärt werden die Grundhaltungen ebenso wie die einzelnen Schritte, die bei der Planung und Begleitung forschenden Lernens wichtig sind. Mit zahlreichen Beispielen zeigt die Autorin, wie diese Unterrichtskonzeption sowohl im Regelklassenunterricht wie auch in der Förderung von Kindern mit speziellen Bedürfnissen eingesetzt werden kann. Diese Beispiele stammen aus verschiedenen Lernbereichen und Schulstufen; damit machen sie deutlich, dass dem forschenden Lernen kaum Grenzen gesetzt sind. Einen besonderen Akzent setzt die Autorin dort, wo sie zeigt, dass forschendes Lernen keine einsame Sache ist, sondern in regem Austausch mit anderen Lernenden, der Lehrperson und der ganzen Klassengemeinschaft geschieht.
Das Buch regt an, ermuntert und ermutigt zum Einsatz dieser Unterrichtskonzeption und ist damit ein wichtiger Leitfaden im Umgang mit Heterogenität. Um dies zu illustrieren, soll ein Satz zitiert werden, der die Grundidee zum Ausdruck bringt: «Unterschiedliche Lernvoraussetzungen werden so zum Gewinn für die ganze Gemeinschaft und nicht zum Problem der Lehrkraft» (S.105).


Begabungsförderung in der Volksschule - Umgang mit Heterogenität
(Trendbericht 2 der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung)

Zum Thema Begabungsförderung gibt die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung in Aarau einen Trendbericht heraus, der praxisnah Hinweise für den fruchtbaren Umgang mit Heterogenität in Klassen und Schulhäusern gibt.
Der Bericht wurde von 22 Autorinnen und Autoren verfasst und von dreizehn Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein finanziell unterstützt. Er erläutert Begabungskonzepte und Begabungsmodelle und beleuchtet unterschiedliche Begabungsdomänen und Möglichkeiten, Begabungspotentiale zu erkennen. Der Hauptteil des Trendberichtes zeigt Lehrerinnen und Lehrern ein breites Spektrum allgemeiner didaktischer und methodischer Möglichkeiten und ergänzt diese mit konkreten Vorschlägen zur begabungsfördernden Unterrichtsgestaltung in einzelnen schulischen Lernbereichen. Begabungsförderung erfordert Zusammenarbeit unter allen Beteiligten, Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern, schulischen Diensten und Behörden, externen Fachleuten und Verwaltung, denn Begabungsförderung ist letztlich ein zentraler Aspekt der Schulentwicklung.
Zu bestellen bei: → www.skbf-csre.ch


Urban, Klaus K. & Joswig, Helga (Hrsg.) (1998). Begabungsförderung in der Schule.

Rodenberg: edition ABB
Der Tagungsband enthält zahlreiche Beiträge von bekannten AutorInnen wie Kurt A. Heller (Begabungsförderung in der Schule), Annette Heinbokel (Klassenüberspringen), Helga Joswig (Innere Differenzierung und Begabungsentwicklung), Klaus K. Urban (Test zum Schöpferischen Denken - Zeichnerisch (TSD-Z)). Konkrete Beispiele zur Begabungsförderung an einer Leipziger Schule ergänzen die theoretischen Artikel ebenso wie Beiträge aus dem Ausland (Ursula Hoyningen-Süess).


Holling, Heinz & Kanning, Uwe Peter (1999). Hochbegabung. Forschungsergebnisse und Fördermöglichkeiten.

Göttingen u.a.: Hogrefe

Sehr empfehlenswert ist dieses Buch für alle, die sich einen Überblick über die Thematik verschaffen wollen. Zum Einstieg erläutern die Autoren verschiedene Modell zur Hochbegabung und ihre Konsequenzen für die Begabungsförderung. Im Kapitel «Diagnostik» werden Test- und andere Verfahren zur Erfassung vorgestellt. Auch sozial- und persönlichkeitspsychologische Aspekte der Hochbegabung kommen zur Darstellung. Die oft gestellte Frage, ob denn eine Hochbegabtenförderung notwendig sei, findet ihre Antwort in der Beschreibung verschiedener Fördermöglichkeiten. Von besonderem Interesse ist das Kapitel über ausgewählte Formen spezieller Hochbegabungen, wo die berufliche Hochbegabung breit erläutert wird, ein Thema, das sonst kaum Beachtung findet. Eine kritische Würdigung der bisherigen Forschung wird ergänzt durch Hinweise auf Forschungslücken und Entwicklungsbedarf in der Praxis.
Frei von ideologischen Stellungsbezügen und spektakulären Fallschilderungen gibt das Buch einen umfassenden Einblick in die bisherige Forschung und Diskussion zum Thema wie auch zu den Entwicklungen im Bereich Begabungsförderung. Ein Adressteil und eine ausführlich Literaturliste machen es zum Nachschlagewerk für alle, die mit Begabungsförderung zu tun haben.